Lebenslanges Lernen – aber wie?

Ein leeres Klassenzimmer

Das Schlagwort „lebenslanges Lernen“ hört man immer wieder im Zusammenhang mit der beruflichen Karriere und der persönlichen Weiterentwicklung. Was aber steckt genau dahinter? Und warum ist es so wichtig? Grundsätzlich versteht man darunter, dass sich Menschen auch nach der Schule und dem Berufsabschluss weiterbilden, sich auf Fachbereiche spezialisieren oder ihr Wissen und Können in andere Bereiche erweitern. Das Lernen kann – muss aber nicht – auf den Beruf bezogen sein, man tut es aus Selbstmotivation heraus und es ist freiwillig.

Oft genug werden Arbeitgeber*innen ihre Arbeitnehmer*innen dabei unterstützen, denn sie haben ein Interesse daran, dass Mitarbeiter*innen in ihrem Fachbereich auf dem neuesten Stand bleiben und sich neue Fachkenntnisse aneignen. Wer sich fortbilden möchte, sollte also immer mit dem Chef oder der Chefin sprechen und schauen, welche Art der Unterstützung man bekommen kann.

Manch Unternehmen bezahlt beispielsweise für gezieltes Coaching, haben ein Abo bei LinkedIn Learning oder bietet interne Weiterbildungen, für die man sich anmelden muss. Andere Unternehmen können das in-house nicht bieten und haben vielleicht finanziell nicht die Möglichkeit, für Kurse zu zahlen – insbesondere, wenn sie nicht direkt auf das Arbeitsfeld bezogen sind. Ein Beispiel wäre hier ein Business Englisch Sprachkurs, wenn das Unternehmen nur selten mit Firmen im Ausland zusammenarbeitet. Dann kann man aber vielleicht flexible Arbeitszeiten aushandeln, um einen Abendkurs zu besuchen oder schauen, ob das Unternehmen bereit ist, die Stunden zu reduzieren, um so die Weiterbildung zu ermöglichen. Schließlich wird das Unternehmen langfristig von der besseren Qualifikation der Mitarbeiter*innen profitieren.

Warum ist lebenslanges Lernen wichtig?

Betrachtet man diese Frage aus der Perspektive der Unternehmen, dann ist der Aspekt der Zukunftssicherung entscheidend: Inzwischen geht man davon aus, dass Mitarbeiter*innen den Herausforderungen des zukünftigen Arbeitsmarktes nur gewachsen sind, wenn sie sich entsprechende Fähigkeiten aneignen und mit den neuen Aufgaben wachsen. Man denke hier an Themen wie die Automatisierung von Betriebsabläufen, künstliche Intelligenz, Big Data und das Entstehen neuer Industriezweige, wie das zum Beispiel bei den Erneuerbaren Energien der Fall war. Wie genau diese Entwicklungen aussehen, lässt sich heute nicht immer voraussagen. Daher ist es wichtig, dass Mitarbeiter*innen ihre Ausbildung nicht aus abgeschlossen betrachten, sondern wissen, dass sie sich auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren noch weiterbilden müssen. Für Arbeitnehmer*innen bedeutet das, dass sie sich durch lebenslanges Lernen besser am Arbeitsmarkt positionieren und gegen Wettbewerber durchsetzen können.

Frau mit Brille sitzt vor einem Laptop und schreibt etwas in ein Heft

Schaut man sich das Thema also einmal von der Seite der Mitarbeiter*innen oder privater Individuen an, dann macht lebenslanges Lernen ebenfalls Sinn. Das hat viel damit zu tun, wie das menschliche Gehirn arbeitet und wie wir uns kognitive Fähigkeiten aneignen. Um weiterhin voll zu funktionieren, braucht das Gehirn Herausforderungen, am besten Wissen und Erkenntnisse, die wir im Alltag anwenden können. Im Gehirn entstehen ständig neue Zellverbindungen und neue Zellen und das bis ins hohe Alter, es befindet sich in einem ständigen Wandel. Je älter man wird, desto langsamer lernt man neue Dinge, damit das Gehirn stark und lernfähig bleibt, sollte man es also ein Leben lang trainieren. Lebenslanges Lernen ist damit nicht nur gut für die Karriere, sondern auch für den Menschen persönlich.

Die folgenden vier Optionen bieten einen guten Einstieg in das lebenslange Lernen:

1. LinkedIn Learning: Die ganze Bandbreite des lebenslangen Lernens

Das Berufsnetzwerk LinkedIn bietet einen ganzen Katalog an berufsbezogenen Kursen – vom Management-Training bis hin zu Kreativkursen. Um das volle Kursangebot nutzen zu können, sollte man aber Englisch sprechen, da viele der Kurse aus Amerika stammen. Insgesamt bietet LinkedIn eine Liste von über 21.000 Kursen von erfahrenen Trainern, die man im eigenen Tempo abschließen kann. Die meisten sind professionell produzierte Videopräsentationen, darüber hinaus gibt es aber auch interaktive Tests und Übungen. Einmal gestartet liefert der Algorithmus einem weitere Kursempfehlungen, die auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Für die abgeschlossenen Kurse gibt es ein Zertifikat, das man direkt mit seinem LinkedIn Profil verbinden kann, so dass man diese beruflichen Qualifikationen sehr einfach nach Außen kommunizieren kann. Der Nachteil: LinkedIn Learning ist nicht billig. Ein Jahresabo kostet 20€ pro Monat, ein Monatsabo kostet mehr. Wer sich nicht zu einem Abo entschließen möchte, der kann auch einzelne Kurse kaufen. Das summiert sich aber schnell. Unser Tipp: Schauen Sie, ob Ihr Unternehmen Ihnen vielleicht bereits einen Zugriff zu LinkedIn Learning bietet. Einige größere Unternehmen haben LinkedIn Learning bereits in das betriebseigene Fortbildungsprogramm aufgenommen.

2. Gasthörerschaft an der Uni

Viele Universitäten bieten die Möglichkeit, sich als Gasthörer einzuschreiben, zum Teil ist dafür eine Gebühr fällig. Viele Gasthörer sind bereits pensioniert, doch richtet sich das Angebot der Unis an Rentner ebenso wie an Berufstätige, die sich nebenbei persönlich weiterbilden möchten. Das genaue Angebot hängt von der Universität ab und oft ist der Zugang auf Vorlesungen und ein paar Seminare beschränkt, wobei die Platzzahl für Gasthörer ebenfalls begrenzt sein kann – die Vollstudenten haben meist Vorrang. Darüber hinaus gibt es oft Blockveranstaltungen und Kurse während der vorlesungsfreien Zeit. Bei Interesse sollten Sie sich bei Ihrer Universität vor Ort über die genauen Zugangskriterien und das Gasthörerangebot informieren.

3. Volkshochschule: Lebenslanges Lernen vor Ort

Wer sich mit dem Thema lebenslanges Lernen befasst, der kommt an der Volkshochschule (VHS) nicht vorbei. Die kommunalen und gemeinnützigen Schulen bieten alles von Kochkurse, über Sprachen bis hin zu beruflichen Qualifikationen und Kulturangeboten. Volkshochschulen haben einen sehr breit gefassten Weiterbildungsgedanken, der nicht nur berufliche Qualifikationen, sondern auch die Basis- oder Grundbildung abdeckt. So können Erwachsene hier noch später im Leben das Lesen und Schreiben lernen oder sich mit Yoga und Meditationskursen dem körperlichen und psychischen Wohlbefinden widmen. Anders als Universitäten finden sich Volkshochschulen auch in kleineren Städten und Gemeinden. Das ist einer der großen Vorteile. Ein weiterer Vorteil liegt in den geringen Kosten, denn die Kurse sind von Städten und Gemeinden bezuschusst. Auch sind die Zugangshürden sehr gering, weil – anders als zum Teil bei Universitäten oder privaten Kursen – keine besonderen Schulabschlüsse notwendig sind. Allerdings gibt es auch hier Basis- und Aufbaukurse und wer an einem der fortgeschrittenen Kurse teilnehmen will, muss bereits eine entsprechende Erfahrung mitbringen. Wer sich nicht sicher ist, welcher Kurse geeignet ist, der sollte sich bei der Volkshochschule vor Ort beraten lassen. Auch sollte man sich immer bewusst sein, dass die Volkshochschule gezielt auf Basiswissen setzt. Wer sich tiefergehend mit einem Thema beschäftigen möchte oder sich Expertenwissen aneignen will, der ist bei Angeboten wie LinkedIn Learning und privaten Tutoren und Bildungseinrichtungen besser aufgehoben.

4. Private Kurse: Von Sprachkursen bis Coaching

Auch private Kurse sind eine Möglichkeit, sich weiterzubilden. Dazu gehören beispielsweise Sprachschulen oder Tutoren, die Gruppen- oder Einzelunterricht anbieten. Auch hier ist das Angebot breit gefächert und reicht von Mal- und Handwerkskursen bis zu Sprachunterricht und privatem Coaching für die persönliche oder berufliche Weiterentwicklung. Bei der Wahl eines privaten Kurses sollten Sie allerdings auf Zertifizierungen, die Erfahrung und ggf. Bewertungen online achten. Viele bieten zudem erst einmal einen Schnupperkurs an, so dass man schauen kann, ob man zusammenpasst und zusammenarbeiten kann, bevor man sich für eine längere Kursdauer oder regelmäßige Sitzungen entscheidet. Achten Sie bei privaten Bildungseinrichtungen auf die Erfahrungsberichte anderer Teilnehmer, um sich ein genaues Bild davon zu machen, was die Einrichtung bieten kann. Grundsätzlich sollte man sich bewusst sein, dass insbesondere Einzelunterricht mit einem Tutor oder an einem privaten Bildungsinstitut mit deutliche höheren Kosten verbunden ist. Einen leider nicht mehr ganz aktuellen, aber guten Überblick über renommierte Einrichtungen bietet die Webseite des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung. Das angegliederte Webportal bietet zudem zahlreiche Infos zum Thema lebenslanges Lernen und Erwachsenenbildung.

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